20. April 2019

Ab ins Northland

Gen Norden

Nach über zwei Monaten auf Achse sind wir dann wieder in Auckland bei Brigitte eingetrudelt um hier ein paar entspannte Tage zu verbringen und uns zu sortieren. Erholt und entspannt ging es dann auf das letzte Stück der Neuseelandreise ins Northland. Da wir noch den Wagen verkaufen müssen fiel der Trip mit knappen fünf Tagen eher kurz aus. Um möglichst weit von Auckland und den Menschenmassen zu kommen sind wir auch prompt am ersten Tag knapp drei Stunden mit Zwischenstops bis Russel Island gefahren. Wie der Name schon sagt liegt das Städtchen auf einer (Halb-)Insel und ist abgesehen von einem 4 Stunden Umweg nur mit der Fähre zu erreichen. Haben wir dann gemerkt als wir vorm Anleger standen. Mit Bestem Wetter sind wir die 5 Minuten ans andere Ufer übergesetzt und zum wunderschönen Campground am Hang über Russel gefahren. Dort angekommen konnten wir den extrem leeren Platz und die Aussicht auf die Bucht mit Sonnenuntergang genießen.

Kayak und Gemüsebarbecue

Tags darauf haben wir direkt noch um eine Nacht verlängert und sind auf Erkundungstour ins Dörfchen gegangen. Neben super Kaffee gab es auch Kayaks im Verleih, womit wir die nächsten Zwei Stunden vom Wasser die Bucht erkunden konnten. Abends gab's dann Gemüsebarbecue und frisch gefangenen Fisch vom netten Campnachbar.

Mit fast 5 Stunden haben wir am nächsten Tag bisher mit am längsten im Auto gesessen und sind bis in die Nordspitze zum Spirits Bay gefahren. Der dortige Campingplatz war zwar sehr einfach, aber sauber und auch wieder sehr leer. Den Nachmittag konnten wir dann bei relativ gutem Wetter am wunderschönen Strand verbringen und auch eine Runde ins Wasser springen. Dass die Duschen nur mit kaltem Wasser funktionieren hab ich dann danach erst fest gestellt.

Geister und Viel Sand

Früh morgen sind wir zum insbesondere für die neuseeländischen Ureinwohner spirituell sehr wichtigen Cape Reinga gefahren. Zum einen bildet das Cape den nördlichsten Punkt des neuseeländischen Festlandes, zum anderen kollidiert hier sichtbar und beeindruckend die tasmanische See mit dem Pazifik. Nach dem Cape ging es weiter zu den Te Paki Sand Dunes, gewaltigen Wanderdünen die direkt in den angerenzenden Wald überlaufen. Nach kurzem Klettern (und kurz vorm Kollabieren) fühlt man sich hier wie in der Sahara. Da wir keine Sandboards dabei hatten sind wir dann trotzdem recht schnell wieder weiter gefahren.

Der Gott des Waldes

Nach einem eher weniger beeindruckenden Abstecher zum Ninety Mile Beach (eigentlich ganz cool, jedoch darf man hier mit seinem Jeep über den Strand jagen, was das ganze zu einer nervigen und lauten Tourihölle macht) sind wir dann weiter in den Waipoua Forest gefahren, einem der ältesten noch erhaltenen Wäldern Neuseelands. Kurz vor dem Campground konnten wir noch den ältesten bekannten Kauribaum bewundern, benannt nach dem Maori Gott des Waldes. Mit einer Höhe von über 50 und einem Umfang von über 13 Metern bildet der Baum sein eigenes Ökosystem und lässt die bei weitem nicht kleinen Bäume drum herum wie Sprösslinge aussehen. Der Baum wird auf ein Alter von 1500 - 2500 Jahren geschätzt und ist damit einer der ältesten Bäume der Welt. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir dann im Campground mitten im Waipoua Forest eingetrudelt wo wir außer Abendessen nicht mehr viel unternehmen konnten.

Noch mehr Bäume

Tags darauf sind nochmal zurück gefahren um auf einen keinen Walk durch den Waipoua Forest zu gehen und andere beeindruckende Exemplare der einheimischen Kauribäume zu bewundern. Mag nicht so spannend klingen, aber diese riesigen Uralten Bäume zu sehen ist nur schwer zu beschreiben und kommt auch auf Fotos nicht wirklich rüber. Da wir früh morgens schon im Wald waren hatten wir den Großteil der Wanderung auch für uns allein, was das ganze umso schöner gemacht hat. Um noch am nächsten Tag pünktlich zur Car Fair zu sein und den Wagen noch aufzuräumen mussten wir danach recht schnell wieder zurück Richtung Auckland fahren.

 

 

 

12. April 2019

Coromandel Peninsula

Avocados, Avocados und Avocados

Ausgeruht ging es dann am nächsten Morgen direkt weiter nach Coromandel. War ursprünglich ein Zwischenstop geplant, sind wir dann aber spontan einfach bis auf die Halbinsel durch gefahren. Unterwegs sind an gefühlt 100 Obstständen vorbei gekommen und haben uns auch prompt mit massig Avocados und anderen Obst und Gemüse eingedeckt. In der Bay of Plenty gibt es die meisten Plantagen, wodurch hier so ziemlich jeder Backpacker einen Job findet und auch das Gemüse vergleichsweise preiswert ist.

Heiße Quellen und tausend Menschen

Gegen Mittag sind wir dann in einem der bisher besten Top10 Campingplätze am Hot Water Beach eingetrudelt und haben uns dort mal ein wenig sortiert. Mit perfektem Timing und Schippe bewaffnet ging es auch direkt runter an den Strand, der nicht umsonst Hot Water Beach heißt. 1-2 Kilometer unter dem Strand befinden sich eine extrem heiße Gesteinsschicht und Grundwasser, dass durch die Hitze direkt am Strand austritt. Bei Ebbe kann man sich dann hier einen eigenen kleinen Hotpool buddeln. Je mehr dass Wasser zurück tritt, desto einfacher wird das Ganze (trotz einer riesigen Menschenmasse, die hier aber nicht weiter gestört hat weil jeder Rücksicht genommen hat). Nach ein paar Fehlversuchen und Tips von anderen Buddlern haben wir dann die perfekte Mischung aus kalten Meer und heißer Thermalquelle gefunden. Zu dem Zeitpunkt war der Boden an manchen Stellen so heiß das kleine Kohlendyoxidbläschen aus dem Boden getreten sind.

Tiefenentspannt ging es dann mit dem Sonnenuntergang zurück zum Campground, wo wir ausgiebigst die freien und sehr sauberen Duschen nutzen und recht früh ins Land der Träume gleiten konnten.

Da uns der Platz so gut gefallen hat haben wir auch direkt noch eine Nacht verlängert und haben am nächsten Tag einen kleinen Ausflug zur Cathedral Cove gemacht. Die Bucht erreicht man nach einem längeren Spaziergang von knapp einer Stunde und wird mit einem der schönsten Strände Neuseelands belohnt. Das Steingebilde das der Bucht den Namen gibt ist quasi eine riesiger Tunnel der durch Jahrtausende von Erosion entstanden ist. Abends gab es dann zur Belohnung noch Pizza und ein gutes Bier im lokalen Brauhaus.

Brettern

Mit ein wenig Wehmut haben wir dann am nächsten Tag den Campingplatz hinter uns gelassen um weiter zum Coromandel Township zu fahren, einem kleinen Städtchen an der Nord-west-küste der Halbinsel. Hatten wir gedacht dass wir die schlimmsten Straßen auf der Südinsel hinter uns gelassen haben, wurden wir hier schnell eines Besseren belehrt. Eine vermeintliche Abkürzung hat uns querfeldein durch die Halbinsel auf eine nasse, enge Schotterpiste geschickt die zT Kurven von 180 Grad hatte. Nass geschwitzt sind wir dann aber trotzdem nach 2 Stunden Horrorfahrt in Coromandel angekommen um dort noch den letzten Abend vor dem nächsten Stop in Auckland zu genießen.

8. April 2019

Erinnerungen

Der Duft von Fisch am Morgen

Tags darauf ging es dann weiter Richtung Küste in Richtung Bay of Plenty. Natürlich durfte hier der Stop in Tauranga nicht fehlen, der Stadt in der ich damals die erste Zeit in Neuseeland verbracht hatte (mit Arbeiten in der Fischfabrik, Avocados pflücken und einiges mehr). Um noch einmal etwas in Nostalgie zu schwelgen haben wir auch einen Zwischenstop im Hostel von damals gemacht, das sich witzigerweise in den letzten 11 Jahren kaum verändert hat.

Nach einem kleinen Abstecher zum Strand den ich damals nie wirklich genießen konnte ging es dann ein Stück landeinwärts und spontan auf einen kleinen gemütlichen Campground am Stadtrand. Wie soll es auch anders sein, der Campingplatz hatte natürlich eine eigene kleine Thermalquelle die zu einem großen Pool umgebaut wurde in dem wir dann abermals den Abend verbracht haben. Als kleinen Bonus gab es noch beim Campnachbarn zwei liebe Hunde zum streicheln.

7. April 2019

Thermal Explorer

Nach ausgiebigen Frühstück in einem gemütlichen Restaurant um die Ecke sind wir dann endlich weiter Richtung Rotorua aufgebrochen. Der Thermal Highway Explorer macht hier seinem Namen alle Ehre, überall dampft es und es gibt gefühlt alle zwei Meter die Option an einem der vielen Thermalquellen zu halten. Ursprünglich war der Plan beim Wai-o-tapu thermal Park einzukehren, als wir den riesigen Parkplatz und die Massen an Touris gesehen haben sind wir dann aber kurzum doch auf eigene Faust ein Stück weiter gefahren.

Die Erde brüht

Eine super Idee. Den lokalen Geysir hatten wir komplett für uns (war aber jetzt nicht so spektakulär), sind dann einen kleinen Stolperpfad entlang zu einem heißen Wasserfall mitten im Wald gelaufen und hatten diesen komplett für uns allein. Zwar war es schön heiß, die vielen Schilder mit den Totenköpfen haben uns dann aber doch überzeugt hier nicht allzu lange zu verweilen. Auf dem Rückweg zum Highway sind wir dann noch auf gut Glück an einem kleinen Flüsschen gestoppt um dort auch wieder eine heiße Quelle zu genießen, die in einen normalen Fluss mündet. Obendrauf sind wir dort noch mit einem netten Pärchen ins Gespräch gekommen und haben Tips für Australien und Island bekommen.

Faul(e Gerüche)

TIefenentspannt ging es dann die letzten Meter Richtung Rotorua, wo wir uns für eine Nacht ein Motel mit eigenem Whirlpool im Zimmer gegönnt haben (den wir natürlich auch noch mitnehmen mussten wodurch ich dann nach drei heißen Quellen den Tag fast umgekippt bin). Rotorua an sich ist relativ hässlich und riecht durch die Schwefelquellen auch ein wenig, wodurch wir ohne schlechtes Gewissen das freie Internet und den Fernseher mit Sky den Rest des Abends in vollen Zügen genießen konnten.

5. April 2019

Easy part is over

Nachts aufstehen

Quasi mitten in der Nacht sind wir nach einer unruhigen Nacht dann um 5 Uhr aufgestanden um in aller frühe das Shuttle zum Tongariro National Park zu nehmen. Mit entsprechender Laune. Nachdem wir im stockdunkeln um viertel vor sechs losgefahren sind konnten wir bei unserer Ankunft um halb acht den Sonnenaufgang über den Bergen bewundern. In Eiseskälte auf 1200 Höhenmetern am Startpunkt.

Was ist das Tongariro Crossing?

Das Crossing ist ein beliebter Daytrip über und durch aktive Vulkane. Die knappen 20 Kilometer haben es sowohl von der Aussicht als auch dem Härtegrad in sich, wie wir die nächsten 6 Stunden feststellen konnten. Der Wanderweg fängt relativ einfach an und gibt schon einen leichten Vorgeschmack darauf, was einen im Weiteren erwartet. Die Landschaft ist geprägt von Lawagestein in wirren Gebilden und robusten alpinen Pflanzen. Erste dampfende, schwefelgelbe Bäche sind hier auch schon zu sehen.

Easy part is over

Am ersten Zwischenpunkt wird dann durch verschiedene Schilder recht deutlich gemacht, dass das leichte Part ab hier vorbei ist. Auch wird noch einmal klar gestellt dass man sich in einem aktiven geothermalen Gebiet befindet. Recht ausführlich wurden auch die Verhaltensweisen für einen Ausbruch ausgeführt. Kurz zusammengefasst - rennen.

Kurz vorm Kollabieren

Wagemutig sind wir dann natürlich trotzdem weiter gelaufen und haben schnell verstanden was mit „easy part is over“ gemeint war. Binnen knapp einem Kilometer ging es 200 Meter hoch zum South Crater. Der Pfad hoch hat sich den Namen Devils Staircase gründlich verdient, oben angekommen sind wir beide kurz vorm Kollabieren gewesen (und waren bei weitem nicht die Einzigen). Ab da ging es für einen kurze Zeit durch einen flachen Teil. Gruselig wurde das Ganze als uns in der Mitte klar geworden sind dass wir hier durch einen der riesigen Vulkankrater gehen. Dampfende Schwefelgase und eine trostlose, wenn auch interessante, Landschaft erinnern daran was hier vor nicht all zu langer Zeit noch vor sich hin geköchelt hat.

Schwefelseen und taube Finger

Nach dem letzten Aufstieg auf 1886 Meter wird mit mit einer atemberaubenden Aussicht über den Weg bisher und den Central Crater belohnt. Wir hatten wieder Glück mit dem Wetter und konnten die Emerald Lakes von oben sehen, zwei kleinen Gletscherseen die durch die Vulkanaktivitäten tief grün und türkis gefärbt sind (und entsprechend auch hochgiftig). Ab da ging es dann bergab, den ersten Hang voll mit bröckelndem Lava-Kies herunter. War aber garnicht so schlimm, Nina ist nur zwei Mal hingefallen. Verletzungen gab es keine. An den Seen unten angekommen wurden dann erstmal die Schuhe entleert und die Gewässer näher (aber nicht zu nah) untersucht. Wie auch auf dem Schild vorher erwähnt wurde es hier von den Temperaturen her recht ungemütlich, um nicht zu sagen arschkalt. Am Blue Lake, einem weiteren ehemaligen Vulkankrater konnten wir dann zurück schauen und sogar die alten Lavaflüsse im Hauptkrater sehen, die sich hier vor Jahren den Weg ins Tal gebahnt hatten.

10 Kilometer bergab

Die nächsten zwei Stunden ging es quasi nur bergab. Wer das jetzt hört wird sagen runter ist ja immer einfacher. Stimmt auch, trotzdem hat man am Ende Puddingbeine und nur noch semi Lust weiter zu laufen. Stolz wie Bolle sind wir dann nach knappen 6 Stunden und 19,7 Kilometern über den Berg am Ziel angekommen wo wir dann auch fast direkt wieder vom Shuttle Dienst aufgesammelt wurden. Abends haben wir uns dann ohne großen Aufwand noch Nudeln mit Pesto (Backpacker-Style) und danach den campeigenen Hotpool gegönnt. Dass wir so gegen neun im Land der Träume waren muss wohl nicht extra erwähnt werden.

3. April 2019

Walk down Memory Lane

Nach einer weiteren recht kühlen Nacht sind wir dann morgens direkt weiter gefahren um relativ schnell wieder in Napier zu stoppen, einem Ort an dem ich vor elf Jahren knappe zwei Monate verbracht und viele Freunde gefunden hatte mit denen ich dann auch lange weiter gereist bin. Das alte Hostel hat sich nicht viel verändert, der Innenhof und die Fassade sind noch genauso gut in Schuss gehalten wie damals. Selbst Fotos der Truppe von früher hängen noch an der Wand im Flur. Der Rest der Stadt ist kaum wieder zu erkennen, da diese in den letzten Jahren um das 3-fache gewachsen zu sein scheint und sich das Stadtbild dadurch komplett verändert hat. Trotzdem ein schöner kleiner Spaziergang durch alte Erinnerungen.

Da wir uns beide dann doch noch fitter gefühlt haben als erwartet und ich genug in Erinnerungen geschwelgt hatte, sind wir auch direkt bis Taupo durch gefahren. Das Wetter war uns wohl gesinnt und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein durch die Serpentinen auf dem Geothermal Explorer Highway bis ins Zentrum der Nordinsel fahren. Taupo ist eine kleine Stadt am Lake Taupo, dem mit einer Fläche der Größe von Singapur größten See der Südhalbkugel. Der See an sich ist eigentlich ein gewaltiger Vulkan, dessen letzte Eruption vor knapp 2000 Jahren bis Europa zu spüren war. Drei der noch immer aktive Vulkane konnten wir schon vom See aus sehen (aktiv im Sinne von es rumpelt und dampft ein wenig, sehen also von weitem noch aus wie normale Berge). Da das Wetter noch bombenmäßig gut war haben wir auch direkt das Shuttle zum Tongariro Crossing für den nächsten Tag gebucht und sind dann erstmal zum Campingplatz mit - wie sollte es auch anders sein - eigener heißen Quelle in Form eines kleinen Pools gedüst.

2. April 2019

Weißer Kuschelball

Die Ankunft in Wellington hat sich sonniger gezeigt als erwartet und wir sind kurzum direkt weiter Richtung Norden gefahren um dem Trubel der Stadt zu entgehen. Mit kurzem Pitstop an einem der besten Inder bei dem wir bisher gegessen haben (mitten im Nirgendwo) sind wir dann im stockdunkeln auf einem Campground bei Masterton eingekehrt. Die Dame am Empfang hat netterweise nur für uns noch einmal das Tor aufgeschlossen.

Nach einer der kältesten Nächte bisher ging es dann morgens weiter Richtung dem nächsten größeren Stop - Napier. Kurz entschlossen haben wir unterwegs direkt noch einem DOC Vogelgehege mit Kiwihouse gehalten um dort den einzigen in Gefangenschaft lebenden weißen Kiwi zu bestaunen. Aufgrund seiner Pigmentierung würde das Tierchen in der freien Wildbahn nicht lange überleben. Die Gehege und das anschließende umzäunte Stück Urwald dienen zur Aufzucht von Kiwis, Kakas und anderen bedrohten Tierarten. Nach dem Brüten und heranwachsen werden die Vögel im Bestfall wieder ausgewildert. Während wir brütende Kakas im geschützen Käfig aus nächster Nähe begutachten konnten, hat über uns im freien der Rest des Schwarms seine (lauten) Runden gedreht. Also rundum das Geld wert, das auch wiederum in die Instandhaltung der neuseeländischen Flora und Fauna fließt.

Obwohl ursprünglich der Plan war bis Napier durchzufahren waren wir dann beide so kaputt dass wir vorher in einem kleinen Campingplatz bei Waipawa (sagt einem nichts, muss es auch nicht) gestoppt sind. Ninas Hauptargument war dabei der hauseigene Gemüsegarten und Hunde zum streicheln. Der Platz war insgesamt recht einfach, aber wir sind noch mit den Locals ins Gespräch gekommen und konnten Katze und Hunde kuscheln und später dann einen kleinen Filmabend mit dem freien WLAN veranstalten.

1. April 2019

Bye Bye, South Island

Was sich Nachts schon angekündigt hat, wurde dann morgens zu einem ausgewachsenen Sturm mit entsprechend viel Regen. Relativ fluchtartig haben wir also die platschnassen Handtücher und Schuhe in den Van geworfen und sind erstmal bis Blenheim gefahren und dort zu frühstücken und dann weiter bis Pictor zu fahren. Wetterbedingt haben wir uns hier wieder in einem Hostel eingebucht, dem Tombstone Backpackers direkt am Friedhof. Wirkt die Lage auf ersten Blick eher makaber, so wird schnell klar wieso das Hostel damals wie heute zu den am besten bewerteten Unterkünften in Neuseeland zählt. Neben dem extrem sauberen Zimmer mit eigener Dusche und Bad gab es einen kostenlosen Whirlpool und freies Frühstück mit selbst gebackenen Brötchen.

Superior Deluxe Double

Da wir recht früh eingecheckt haben konnten wir das Zimmer den Rest des Tages in vollen Zügen genießen. Der kuschelige Besuch vom Hauskater der sich auch prompt mit ins Bett gelegt hat hat dann sicher gestellt dass wir den Großteil des Tages im Zimmer verbringen.

Netterweise durften wir den nächsten Tag nach Checkout trotzdem noch weiter im Hostel verbringen bis wir nachmittags die Fähre zurück auf die Nordinseln nehmen konnten. Mit ein wenig Wehmut ging es dann durch die Marlborough Sounds zurück Richtung Wellington. Die Ankunft im Hafen markierte das Ende des ersten Teils unserer Reise.

30. März 2019

(Rollendes) Haus am Meer

Eigentlich war der Plan am nächsten Tag nur bis Kaikoura zu fahren und dort die Nacht zu verbringen. Da die Stadt selbst zu einer einzigen Tourifalle gewachsen sein scheint sind wir spontan dann doch weiter Richtung Norden gefahren, ohne viel Plan wo wir eigentlich hin wollen.

Nachwirkungen

Auf dem Highway an Kaikoura vorbei bis Blenheim kann man bis heut noch die Nachwirkungen des verheerenden Erdbebens 2016 merken, das damals komplette Teile des Highway 1 im Meer versenkt hat. Baustellen und brandneue, erdbebensichere Straßenzüge prägen hier das Bild neben dem türkisen Meerwasser direkt an der Straße.

Kaltes Meer, kalte Duschen

Nach mehreren Planänderungen und Sichtung des eher mäßigen Wetterberichtes sind wir dann nach knappen 4 Stunden Fahrt an einem DOC Campingplatz mitten im Nirgendwo angekommen. Neben sehr netten Nachbarn hatten wir einen Spitzenplatz auf dem Hügel mit Blick auf den Strand und das Meer. Mit dem letzten bisschen Sonne ging es dann nochmal in die (eiskalten) Fluten um danach zu merken dass die Duschen dort auch nur kalt sind. Trotzdem haben wir Tag mit Abendessen und nachher gemütlich im Wagen mit Blick aufs Meer ausklingen lassen.

 

30. März 2019

Brühwarm

Faule Gase

Weiter ging es knappe 200 km bis Hammer Springs, einem kleinem Örtchen in den Bergen landeinwärts. Der Ort an sich besitzt, wie der Name schon impliziert, natürliche heiße Quellen die inzwischen umgeleitet und zu einem großen Schwimmbad mit Becken in allen möglichen Wärmegraden umgebaut wurden. Die dabei entstehenden Gase wurden bis zum Anschluss an das Landesstromnetz um 1920  sogar noch als Wärme- und Feuerquelle benutzt.

Da wir etwas reisemüde waren und uns unabhängig von den Wetterbedingungen entspannen wollten haben wir uns mal wieder ein Zimmer im Hostel gegönnt. Das Hostel gliedert sich von der Atmosphäre perfekt in den kleinen Spa Ort ein, stilecht mit Holzwänden und eigenem Massagestuhl. Auf raten des niederländischen Besitzers haben wir noch einen Spaziergang am Fluss entlang in die Parks gemacht bevor wir dann in das Thermal Bad gegangen sind.

In Schwefel eingelegt

Zwar sieht man von den natürlichen Quellen nicht mehr viel, jedoch ist das Bad sehr liebevoll gestaltet, mit allerlei Pflanzen und natürlichen Steinen. Selbst an einem Freitag hatten wir nicht das Gefühl in einer Menschenmenge unterzugehen und konnten uns ein paar Stunden durch alle Pools testen, angefangen mit 36 Grad und zum Ende mit den 42 Grad heißen Hotpools, die noch das ungefilterte, schwefelhaltige Wassert der ursprünglichen Quellen beinhalten. Tiefenentspannt und tiefenaufgewärmt waren wir dann froh unser eigenes kleines Zimmer mit großem Bett zu haben.

Um uns nicht zu stressen haben wir direkt zwei Nächte im Hostel gebucht und sind den nächsten Tag entsprechend langsam angegangen. Nachdem es die Nacht doch noch recht kalt wurde haben wir den morgen mit lesen verbracht bevor wir dann noch einmal bis zum kleinen Aussichtspunkt am Berg gelaufen sind. Abends ging es dann, wenn wir schon da sind, direkt noch einmal in die Hotpools um unsere alten Knochen nochmal aufzubrühen.

28. März 2019

Moderne Kunst und halbe Inseln

Morgens ging es dann weiter Richtung unserem nächsten Stop, Christchurch. Der Weg hat sich allein schon gelohnt als wir unterwegs einen Kleinen Bauernshop gefunden der dann doch endlich mal Avocados für humane Preise im Angebot hatte. Avodaco und Kiwis werden inzwischen so übermäßig exportiert, dass die Preise für eine Frucht gerne bis zu 8 Dollar das Stück (ca 5 Euro) ansteigen. Mit einem Sack voll Avocado sind wir dann weiter über die immer stärker ausgebaute Route 1 bis zum Campingplatz in Christchurch gefahren.

Hatten wir bisher Glück mit den Top 10 Campgrounds, so war dieser ein ziemlich großes Touriloch. Also haben wir den Platz eigentlich nur zum Schlafen genutzt und sind schnell mit dem Bus in die Stadt.

Interessant und erschreckend zugleich sind die Nachwirkungen des verheerenden Erdbebens 2011 immer noch zu spüren. Die Chsitchurch Cathedral, noch imposant und intakt als ich vor 10 Jahren hier war, liegt immer noch brach, mit dem Hauptschiff vorne komplett eingestürtzt. Viele Gebäude stehen nur noch dank massiven Metallstützen und eine große Zahl von Parkplätzen nehmen den Platz von ehemaligen Gebäudeblöcken ein. Trotz allem strahlt die Stadt eine ruhige und entspannte Atmosphäre aus, mit einem riesigen Park und vielen jungen Menschen.

Nicht zu übersehen sind auch die Nachwirkungen des Anschlags vor Zwei Wochen, überall gibt es Plakate die Solidarität bezeugen und der Gehweg an den Christchurch Gardens liegt ca. ein halber Kilometer bedeckt mit Blumen, Bildern und gebastelten Plakaten. Die grundlegende Nachricht ist hier eindeutig, man wird sich nicht einschüchtern lassen und Rassismus in jedweder Form entgegen stellen. Das binnen einer Woche eingesetzte Verbot von halbautomatischen und automatischen Waffen im Privatbesitz lässt diese Tatsache auch klar deutlich werden.

Moderne Kunst (?)

Neben den Parks und dem intakten Teil der Innenstadt sind wir dann noch in das lokalte Kunstmuseum gegangen (war umsonst) um dort sowohl zeitgemäße als auch alte Kunst zu begutachten. Albtraum erweckende Kopfgebilde unterlegt mit Horrorsoundtrack haben mir schnell wieder klar gemacht dass ich moderne Kunst einfach nicht verstehe. Trotzdem war der Besuch den Eintritt alle mal wert (umsonst).

Burger smashen

Nach einem Burger im Smash Palace, einer Mischung aus Streetfood Truck und Biergarten, ging es dann wieder zurück zum Campground wo wir dann schnell ins Bett gefallen sind.

Lieber heiße Duschen als Abenteuer

Früh morgens sind wir dann bei recht ungemütlichen Wetter schnell los zur Banks Peninsula. Diese Halbinsel vor Christchurch war nicht so richtig geplant, was beudetete dass wir erstmal wieder ein kleines Stück zurück Richtung Süden fahren mussten. Die Halbinsel selbst ist auch größer als man denken würde, was wir durch die sehr lange Fahrt bis Akaroa feststellen mussten. Was die Fahrt noch etwas verlängert hat war der kleine Abstecher zur Okains Bay. Nach kurzer Inspektion vom sehr simplen Campground waren wir uns einig dass wir bei dem Wetter doch lieber eine heiße Dusche und gemütliche Küche haben wollen.

Fitness pur

Eine gute Entscheidung, der gemütliche Campground in Akaora liegt direkt am Hang mit Blick auf das kleine Städtchen und die Bucht. Den kleinen campeigenen Weg runter ins Städtchen haben auch direkt genutzt und den (inzwischen sonnigen) Abend mit einem Bier am Hafen abklingen lassen. Der Weg zurück hat uns dann schnell klar gemacht dass wir vorm Tongariro Crossing auf der Nordinsel noch an unserer Kondition feilen sollten.

25. März 2019

Steampunk und Minipinguine

Morgens haben wir dann, sehr zu Ninas Freude, noch einmal Besuch von einem Kater (Haggis, stilecht zu Dunedin) bekommen der sich auch prompt ins Bett gelegt hat. Dass wir zwischendurch frühstücken und duschen waren hat ihn auch nicht weiter gestört.

Hipsterstädtchen im Nirgendwo

Entspannt ging es dann weiter Richtung Norden nach Oamaru. Für eine eigentlich kleine Stadt, haben es die Sehenswürdigkeiten dort in sich. Zum einen gibt es eine kleine Altstadt (im Prinzip eine Straße) mit Bauten im viktorianischer Architektur, einem um die Jahrhundertwende beliebten Stil in England. Nachdem wir erst einmal auf dem Campingplatz gekocht und uns sortiert haben sind wir auch gleich ins Zentrum, um dort in einem Restaurant zu essen das durchaus den Berliner Etablissements Parole bieten könnte. Gesättigt und mit dem Tip vom Barkeeper einen Abstecher in das Brauhaus am Hafen zu machen bevor die Sonne untergeht ging es dann durch das viktorianische Viertel zum Hafen.

Wirre Gebilde

Inoffiziell gilt Oamaru auch als die „Steampunk Capitol of the world“. Steampunk ist eine Kunstbewegung aus den 80ern, in der es darum geht (meist sinnfreie) Erfindungen für die Neuzeit zu erschaffen die so aussehen wie es Menschen um 1900 umgesetzt hätten. Das Ergebnis sind Gebilde aus Metall und allem Möglichen an Schrott und Kuriositäten die sich zum Teil sogar von selbst bewegen können. Interessanterweise spiegelt sich diese Bewegung auch in den Shops im viktorianischen Vierteln wieder, alles wirkt sehr liebevoll aber auch leicht schräg.

Nachdem wir also das Viertel genauer unter die Augen und danach noch ein Bier (und vegane heiße Schokolade für Nina) getrunken ging es pünktlich zum Sonnenuntergang zum Hafen.

Kleine blaue Pinguine

Vor 10 Jahren war der Hafen eigentlich nur viel Busch vor sehr alten viktorianischen Hafengebäuden. Mit stetig anwachsendem Strom von, teils sehr rücksichtslosen, Touristen wurde das zu einem Problem für die relativ scheuen kleinen blauen Pinguine. Kurzum haben die Einheimischen einstimmig beschlossen einen neuen umzäunten Bereich direkt am Strand zu bauen um den Tierchen die Ruhe zu geben die sie brauchen.

Trotzdem kann man sich abends ruhig auf die Steine am Strand setzen und beobachten wie die Pinguine aus dem Wasser kommen. Viele haben sich anscheinend zu sehr daran gewöhnt ihre Nester unter den alten Hafengebäuden zu besuchen und watscheln deshalb am umzäunten Bereich vorbei. Da wir die Tiere nicht unnötig stören wollten haben wir auf viel Licht und Fotos verzichtet und sind dann ziemlich müde aber zufrieden noch den weg zurück zum Campingplatz angetreten.

24. März 2019

Otago Peninsula

Smashed Edamame und steile Straßen

Auf die wärmste Empfehlung einer Bekannten hin sind wir morgens noch bei einem lokalen Café frühstücken gewesen und frisch gestärkt mit dem besten Kaffee bisher weiter zur Otago Peninsula aufgebrochen, einer Halbinsel die direkt an Dunedin anschließt. Vorher ging es aber noch auf einen Abstecher zur Baldwin Street, der mit 35% Steigung steilsten Straße der Welt. Natürlich sind wir topfit wie wir sind die komplette Straße hoch gelaufen.

Große Vögel weit weg

Nach einem kurzen Abstecher zum Royal Albatross Center an der Spitze der Insel haben wir den Rest des Tages relativ entspannt mit Lesen und einem kleinen Spaziergang zum Hafen verbracht.

23. März 2019

Dunedin

Weiter ging es Richtung Norden und dem nächsten Stop in Dunedin.

Entspannte Riesen

Unterwegs mussten wir dann allein schon wegen dem Namen bei der Cannibal Bay anhalten, aber auch weil ich im Kopf hatte dass es dort damals Seelöwen zu sehen gab. Nach 7 Kilometern Schotterpiste wurden wir dann auch mit dem kompletten Strand voll mit diesen recht beeindruckenden Tieren belohnt. Neben den Warnungen beim Eingang des Strandes haben wir allein schon wegen der Größe der Tiere respektvollen Abstand gehalten und uns unser Fernrohr zu nutze gemacht.

Ein kleiner Wermutstropfen waren die nach uns kommenden Touristen, die sämtliche Warnungen und die Bitte den Tieren genügend Abstand und Ruhe zu geben ignoriert haben. In jedweder Pose musste einen halben Meter von den sichtlich gestörten Seelöwen ein Fotoshooting abgehalten werden.

Dùn Èideann

Nach einer vergleichsweise langen Fahrt sind wir dann gegen mittag im Manor House in Dunedin angekommen, einer alten Villa die zum Hostel umfunktioniert wurde. Um nicht im großen Bett und eigenem Zimmer zu versacken sind wir recht schnell in die Stadt weiter und dort einfach ziellos umher geschlendert. Man sieht besonders in der Innenstadt die schottischen Wurzeln sehr stark, große, für Neuseeland sonst untypische Steinbauten bestimmen das Stadtbild. Da die Stadt zu den Goldrauschzeiten der reichste Ort in Neuseeland war gibt es noch viele beeindruckende Parks und Verzierungen, besonders die Universität kann es mit dem Trinity College in Dublin durchaus aufnehmen.

Enttäuschendes Bier

Abends konnten wir dann noch ein kleines Straßenfest im Stadtzentrum mitnehmen und sind nach zwei recht enttäuschenden Bier in den lokalen Bars zurück Richtung Hostel gelaufen. Etwas alt haben wir uns gefühlt als wir gemerkt haben dass die jüngeren Leute jetzt gerade erst Richtung Stadt aufbrechen.

Trotzdem haben wir unsere alten Körper dann schnell ins Bett bewegt.

20. März 2019

Stewart Island

Mehr oder weniger ausgeschlafen sind wir dann früh morgens Richtung Bluff gefahren um dort die Fähre nach Stewart Island, der südlichsten bewohnten Insel Neuseelands, zu nehmen. Das Auto haben wir mutigerweise einfach mal am unbewachten Parkplatz untergebracht um neben der der teuren Fährfahrt zumindest diese Kosten zu sparen. Die Überfahrt war für die Jahreszeit anscheinend sehr ruhig und nach einer Stunde sind wir auch schon die Halfmoon Bay eingefahren. Den Weg zum Hostel konnten wir dann in knappen 5 Minuten bewältigen (Oban ist ungefähr so groß wie die Sternschanze) und uns dort erstmal erkundigen was wir alles machen können. Kurzum haben wir uns dann für einen ausgedehnten Spaziergang am Strand entschieden wo Nina noch ausgedehnter Muscheln sammeln konnte. Drei (übel riechende) Pauas, ein Schneckenhaus und knappe 4 Stunden zu Fuß sind wir dann erstmal ins Hostel um uns da den hauseigenen Kamin anzuschmeißen und ein paar Stunden die Füße hoch zu legen. Auf raten der Locals hin ging es dann nach Sonnenuntergang auf Kiwijagd. Die Wahrscheinlichkeit die kleinen Tiere in freier Wildbahn zu sehen sind auf der Insel wohl die höchsten, da es dort inzwischen eine Population von über 10000 Kiwis gibt. Gehört haben wir sie überall um uns herum, sehen konnten wir leider keinen. Trotzdem war es eine witzige Erfahrung im dunkeln mit Rotlicht bewaffnet durch den Wald zu laufen, der vor lauten Kiwi schreien nur so gehallt hat. Die Jagd wäre auch noch llnger gegangen, leider mussten wir am nächsten Tag schon wieder früh raus weshalb wir dann gegen zwölf im Bett gelandet sind.

Ulva Island - Neuseeland wie vor 200 Jahren

Ulva Island ist einer der „Predator Free Islands“ Neuseelands. Das bedeutet die komplette Insel wurde in einem beeindruckenden Kraftakt von sämtlichen Nagetieren und anderen Raubtieren befreit, größtenteils sogar die Flora wieder in den Ursprungszustand versetzt. Durch diese Versetzung in den Urzustand können viele heute bedrohte Tierarten wie der Kaka oder auch Kiwi hier frei brühten, fressen und auf dem Boden herumturnen und sich vermehren. Die Insel hat die einzige Kiwi Population die auch tagsüber zu sehen ist und vergleichsweise zutraulich sein soll. Um die Spannung schonmal vorweg zu nehmen, wir haben natürlich keine gesehen.

Trotz dem eher bewölkten und kalten Wetter konnten wir trotzdem fast alle Vogelarten der Insel sehen und hören. Da wir auf Tip hin ein Wassertaxi eine Stunde früher als die Fähre genommen haben hatten wir auch die ersten zwei Stunden komplett für uns und konnten die Ruhe und Vogelgesang für uns allein genießen. Zurück in Oban hatten wir dann noch zwei Stunden Sonne bevor wir die Fähre zurück genommen haben. Die Fahrt war recht spannend da wir bis zur Einfahrt in den Bluff Hafen eine neblige Sicht von knapp einem Meter hatten (und bei der Einfahrt wohl noch fast ein paar Jugendliche mitgenommen haben die im Hafenbecken geschwommen sind). Mit ziemlichen Schlafmangel und vollem Kopf sind wir dann noch im Gewaltakt bis zur Curio Bay gefahren um dort in einem gemütlichen Campingplatz direkt am Meer einzukehren. In unserem eigenen Bett sind wir dann nach ca 2 Sekunden eingeschlafen.

17. März 2019

Vom Strand in den Park

Wieder gut kalt und bewölkt sind wir morgens dann Richtung Invercargill aufgebrochen, wo wir bald die Fähre nach Stewart Island nehmen werden. Nach kurzer Fahrt sind wir bei strahlendem Sonnenschein zuerst am Gemstone Beach (ohne viele Edelsteine) und dann für die Nacht bei Monkey Island eingekehrt. Der freie Campingplatz direkt am Strand war vor 10 Jahren noch ein absoluter Geheimtip, ist jetzt jedoch bis zum Anschlag überfüllt mit riesigen Campervans. Glücklicherweise haben wir trotzdem noch einen einsamen Platz um die Ecke gefunden und konnten nach einem Sprung ins Wasser noch den wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Waschen, waschen und waschen

Da es keine Dusche am Campground sind wir am nächsten Tag mit der letzten sauberen Wäsche und einer Mischung aus Salz und Sonnencreme am Körper dann schnell zur letzten Etappe nach Invercargill aufgebrochen. Dort angekommen wurde erst einmal im Restaurant gefrühstückt und vor dem Check In um 12 noch durch einen einsamen Park direkt neben dem Campground geschlendert. Nach den zwar schönen, aber doch fordernden letzten tagen war diese Stunde in der Ruheoase genau das was wir gebraucht haben.

Im Campground eingecheckt ging es dann erstmal ans sauber machen. Nach über einem Monat war es bitter nötig den Van einmal komplett auszuräumen, auszumisten und auszufegen. Sämtliche Sachen konnten endlich gewaschen werden und abends ging es dann noch zum entspannten Abschluss ins Restaurant um die Ecke. Ein teurer, aber nötiger Tag Pause also. Entspannt und glücklich sind wir dann nach Filmabend im Van in frischer Bettwäsche eingeschlafen.

Nichts tun

Tags darauf sind wir dann nach langem Schlafen und ausgedehntem Frühstück nochmal in den Park und haben im Prinzip den kompletten Tag mit Sonnenbaden und lesen verbracht. Ereignislos also, aber super zum Akku aufladen. Abends ging es dann ans packen der nötigsten Dinge für Stewart Island um nicht noch früher aufstehen zu müssen als sowieso schon.

16. März 2019

Ab ins Weltkulturerbe

Kein Walk und ab an den See

Bei Temperaturen um die Null Grad am nächsten Morgen haben wir uns spontan gegen den Hike zur Bergspitze entschlossen (wäre mit Flußüberquerung gewesen) und haben uns auf den Weg Richtung Te Anau gemacht, quasi dem Tor zum Fiordland National Park (UNESCO Weltkulturerbe). Dort angekommen ging es erstmal wieder zum Infocenter wo wir erst einmal vollkommen überfordert von der Auswahl an Wanderungen waren. Gefühlt kann man auf dem Weg nach Milford alle 20 Meter anhalten und zu einem See, Berg oder anderen coolen Dingen laufen. Kurzum haben wir uns dazu entschlossen eine Übernacht-Wanderung auf dem Hollyford-Track zu laufen und dazu kleinere Walks zu unternehmen. Abends ging es dann noch einmal auf einen Spaziergang am See mit wunderschöner Aussicht auf die Berge vom Milford Sound, ein erster Vorgeschmack auf das was noch kommt.

Eiskalt aber sonnig bis wolkig

Am nächsten Morgen sind wir nach ausgiebigem Frühstück auf die Milford Road ins Fjordland losgefahren. Die Landschaft dort verändert sich binnen Kilometern von Weide-, zu Gras- und dann Berglandschaften dass einem die Luft weg bleibt. Wie geplant sind wir bei knapp der Hälfte den Anfang vom Routeburn-Track hochgelaufen (einer der „Great Walks“ in Neuseeland, also die beliebtesten Wanderwege dort) und dort bis zum Key Summit auf knapp 1100m Höhe. Oben kann man dann als Fan der Reihe schnell die Landschaften aus Herr der Ringe wieder erkennen (hat Nina nicht so sehr interessiert) und einen leicht wolkigen Ausblick über das Fiordland genießen. Beeindruckend war auch der Gedanke dass dort wo wir standen vor knappen … Jahren noch eine 500 Meter hohe Schicht aus Gletschereis seinen Weg bis ans Meer genommen hat. Bei näherer Betrachtung konnte man auch noch die Schneisen am Stein und Hinterlassenschaften der Eismassen erkennen.

Mit den ersten Regentropfen und super Timing haben wir wieder im Auto gesessen und sind über eine sehr ominöse Schotterstrecke weiter zu Gnus Camp am Anfang des Hollyford Tracks gefahren. Der Regenwald hat hier seinem Namen alle Ehre gemacht, es hat ab 15 Uhr bis zum nächsten Morgen durchgeregnet. Hat die Sandflies aber nicht weiter gestört und uns in den Sekunden die wir außerhalb des Wagens oder der Küche verbracht haben halb leer gesaugt. Trotz Regen war es dann aber trotzdem gemütlich in unserem kleinen mobilen Zuhause und ohne Handy- oder WLAN-Empfang konnten wir einmal die Ruhe und Zeit miteinander in vollen Zügen genießen.

Spontane Planänderung

Nachdem der Wagen dank den Regenmassen fast festgesteckt und der Campingplatz noch halb unter Wasserstand haben wir uns abermals spontan gegen die Wanderung beschlossen. Bei dem Wetter zwei Tage durch den Regenwald klang dann nicht mehr so spaßig. Stattdessen sind wir in aller früh zum Lake Marian knappe 10 Minuten vom Camp aufgebrochen.

Hatten wir hier einen netten 3 Stunden Spaziergang um den See erwartet, wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Über Stock und Stein mit Klettereinlagen die der Kletterhalle in Hamburg den Rang ablaufen würden sind wir nach knapp 2 Stunden mit viel zu wenig Wasser dann am See angekommen.

Der See an sich war jedoch alle Anstrengungen Wert. Nach 10 Minuten Panik dass die Wolkendecke uns wieder den Blick verdirbt (wie schon am Franz Josef Gletscher) ist es dann zusehends aufgeklart und hat den Blick auf einen wunderschönen Gletschersee inmitten der Berge frei gegeben. Da wir recht früh dran waren war es auch noch sehr einsam und wir konnten den Ausblick in vollen Zügen genießen. Je wärmer es wurde desto größer wurde der Drang (bei mir) ins Wasser zu springen. Das Wasser war im Endeffekt so kalt dass die Brust sich zu Schnappatmung zusammen gezogen hat. Trotzdem ging es noch drei Mal ins Wasser uns mit einem guten Gefühl und der bisher beeindruckendsten Aussicht der Reise im Kopf wieder an den Abstieg. Der Vorteil an einem Gletschersee ist auch dass das Wasser klarer ist als aus jedem Hahn und wir unsere Vorräte wieder bis zum Anschlag auffüllen konnten.

Nach kurzem Abstecher bis zum Milford Sound und einem vollen Campingplatz haben wir dann kurzum beschlossen wieder den Weg zurück Richtung Te Anau anzutreten. Mit kurzen Stops an beeindruckenden Schluchten sind wir nach über 3 Stunden und leicht fertig am Campingplatz angekommen. Dort sind wir dann nach ausgiebiger heißer Dusche um neun ins Bett gefallen. An Schlaf war bei mir die Nacht nicht zu denken, da mein Kopf Kirmes hatte von den vielen Eindrücken der letzten 2 Tage.

12. März 2019

Adrenalin und Völlerei

Über die Crown Range Scenic Route quer durch die Berge ging es dann weiter nach Queenstown. Ab der Crown Range wurden wir schon mit den ersten malerischen Ausblicken auf das Tal und Queenstown belohnt. Nach kurzem Abstecher im DOC im Stadtzentrum um nach Wanderrouten zu fragen (und völliger Überforderung weil es ungefähr 2 Milliarden in der Gegend gibt) haben wir beschlossen einen Top 10 Campingplatz etwas außerhalb von Queenstown anzufahren und uns dort einzubuchen. Eine gute Entscheidung, alles sehr ruhig und umgeben von Bergen.

Hoch hinaus

Nach kurzem Mittagessen am Platz sind wir dann auch wieder ins Zentrum gefahren und haben auf gut Glück auch direkt einen Parkplatz direkt am Wasser gefunden. Von dort aus ging es am Lake Wakatipu entlang ins Stadtzentrum, also einer riesigen Bucht in der man von Jetboat bis Skydiven eigentlich alles machen kann was das Adrenalin in die Höhe treibt.

Hatten wir dank Erzählungen von anderen Backpackern unterwegs jetzt eine pulsierende Stadt voller lauter besoffener Adrenalinjunkies erwartet, so wurden wir positiv überrascht. Von der ersten Sekunde an haben wir uns beide extrem wohl gefühlt. Die Stadt zeichnet sich trotz vieler Touristen und einer gewisser Hektik durch eine entspannte und ruhige Atmosphäre aus.

Spontan haben wir uns dann am Dock dazu entschlossen uns unter die Action Tourist zu mischen und eine Parasailing tour zu machen, also knappen 20 Minuten am Fallschirm vom Boot durch die Bucht gezogen. Zwar war der Spaß recht kurz (und dafür teuer), aber die Erfahrung war das ganze durchaus wert. Und Nina hat heldenhaft ihre Höhenangst gemeistert (oder ignoriert) und außer weißen Handknöcheln kaum Anzeichen von Angst gezeigt.

Völlerei, aber keine Burger

Wieder am Boden angekommen sind wir dann gemütlich durch die Stadt geschlendert und haben uns neben einem Eis nochmal eine Stunde am Strand in der Sonne gegönnt. Ursprünglich war der Plan sich beim berühmten Fergburger eine vegetarische Version zu gönnen. In Angesicht der Schlange die länger war als bei Mustafas Gemüsedöner in Berlin haben wir dann doch schnell Plan B beschlossen und sind in ein Restaurant um die Ecke. Mit kleinen Foodbabybäuchen ging es danach auf einen Verdauungsspaziergang mit Sonnenuntergang an der Bucht entlang zurück zum Auto. Zurück am Campingplatz waren wir dann froh vormittags eingecheckt zu haben, da der Platz komplett voll mit großen Campervans stand (zwischen denen unser Auto plötzlich sehr klein und niedlich aussah).

Portmonee vergessen und Entspannung

Der nächste Tag fing dann schon recht nervenaufreibend an. Beim Supermarkt haben wir dann gemerkt dass ich das Portmonee in der Küche am Campingplatz liegen lassen haben muss, also mit Volldampf wieder zurück. Glücklicherweise kann man auf die Ehrlichkeit anderer Gäste vertrauen und das Portmonee lag samt den am Vortag abgehobenen 600 $ an der Rezeption. Kurz mittag gegessen und es ging in Runde 2 in die Stadt etwas einkaufen. Da das Wetter eher mäßig war sind wir nur schnell zum DOC Infocenter gegangen um uns da über Wanderwege zu informieren und dann noch kurz durch die Stadt geschlendert. Relativ zeitig zurück ging es dann nochmal zur Entspannung in den Hotpool und früh schlafen.

10. März 2019

Chaostag

Frisch geduscht und mit viel zu viel Porridge im Bauch sind wir dann früher als sonst Richtung Wanka aufgebrochen. Mit Zwischenstops an den Blue Pools und Aussichtspunkten entlang Lake Wanaka und Hawea sind wir nach immerhin 3 Stunden im Campground angekommen. Da ich an dem Punkt dringend mal einen Tag Pause gebraucht habe, haben wir ohne groß zu überlegen direkt eine Nacht gebucht um dann erstmal vor einem Berg Müll auf dem Stellplatz zu parken. In deutscher Manier wurde sich daraufhin natürlich beschwert und wir durften uns einen besseren Platz im ruhigeren Teil des Campgrounds aussuchen, der sogar wesentlich näher an den Klos und der Küche dran war.

Nach Knack kommt ab

Das „schnell kochen“ hat nicht so Wirkich geklappt da der Griff am Kofferraum sich gedacht hat genau im dem Moment brechen zu müssen. 2 Stunden, 20 Flüche und eine Schraube mit einem Stück Gummi und Sekundenkleber ging das Ganze dann aber wieder (MacGyver lässt grüßen). Aber wenns blöd aussieht aber funktioniert, funktioniert’s.

Alles wird gut

Auf knapp 180 und leicht gelaunt ( von meiner Seite) sind wir dann einfach die 5 Minuten runter zum Lake Wanka gelaufen und wurden dort mit einem sehr ruhigen Kiesstrand und klarem Wasser belohnt. Nach einem Sprung ins Wasser und ein wenig Sonne war der Stress des Tages auch schnell wieder vergessen. Mit Quarkkartoffeln, einem Sixpack Bier und dem Gesang vom Singer Songwriter von gegenüber klang der Abend dann sehr entspannt aus.

10. Februar 2019

London Calling

Hamburg weint

Aufgewacht wurde am Sonntag zu einer Nachricht, dass unser Hotel in London am Abend gecancelt wurde, hat aber nach kurzer Panikattacke dann doch alles geklappt.

Bei knapp 6 grad und in strömendem Regen ging es dann nach knapp 6 Monaten warten endlich auf zur ersten Etappe auf dem Weg ans andere Ende der Welt. Nach dem üblichen Chaos waren beide recht froh dann jetzt auch loszudürfen, insbesondere nach den letzten Metern in Stoffschuhen durch das Hamburger Schiet Wetter. Mit einer abklingenden Grippe (oder aufklingenden wenn man eher der Glas-Halb-Voll-Typ ist) ging es dann mit Eurowings nach Hamburg und auf ins erste Reisechaos.

Kann man das Gepäck heute schon einchecken? Nein.

Also bezahlen wir am Flughafen Heathrow direkt schon einmal 46 Euro um unsere Gepäck über Nacht zu lagern (hätten wir aber auch im Hotel machen können - nachher ist man immer schlauer). Weiter gehts zum Hotel, aber natürlich erst nach einer halben Stunde warten mit sommerlicher Neuseelandkleidung (und 3 Grad) um uns dort erstmal in der Luxussuite aufzuwärmen und bei einem netten Abendessen im Hotelrestaurant den Abend ausklingen zu lassen. In ein wenig Hektik haben wir zur Sicherheit dann doch noch einen Flug nach Australien gebucht um diesen bei Einreise in Neuseeland vorweisen zu können (man muss klare Absichten zeigen das Land auch innerhalb von drei Monaten wieder zu verlassen). Gut angelegte 120€, wie sich später mehrfach herausstellt.

Wieso stehen da so viele Leute?

Da wir am nächsten Tag noch bis abends Zeit hatten sind wir kurz um in den Zug zum Piccadilly Circus gestiegen und haben uns den englischen Wahnsinn reingezogen (aber bei bestem Wetter).
Mehr aus Zufall sind wir dann am Buckingham Palace ausgekommen und standen inmitten einer Menschenmenge mit gezückten Fotoapparaten mit der Frage auf den Lippen ob es hier was umsonst gibt. Keine Zwei Minuten später (kurz bevor wir weiter gehen wollten) kam dann die lächelnde Queen in ihrer Limo vorbei gefahren. Auch ganz nett.
Nach einem Abstecher nach Soho (klar, muss sein) und dem besten Ramen der Welt (Meinung basiert auf bisher zwei gegessenen Ramen) ging es dann auch schon ohne groß Sightseeing zurück zum Airport. Das muss definitiv noch einmal über ein langes Wochenende nachgeholt werden.

 

 

Let’s build
something together