Auf in den Verkehrs-Terror

Nachdem wir aufgrund des Minijetlags (und der brutalen Luftfeuchtigkeit/Wärme) quasi um 7 schon wieder wach waren haben wir uns auf unseren Leihroller geschwungen und sind ab ins Café. Haben wir über die Straßen in Neuseeland geschimpft war das hier, zusammen mit dem absurden Verkehr nochmal eine ganz andere Kragenweite. Wer hupt hat Vorfahrt und Autos sowieso immer, trotzdem sind über 70% des Verkehrs Roller und Motorräder. An der ersten großen Kreuzung bin ich dann einfach weiter geradeaus gefahren weil ich nicht die geringste Ahnung hatte wie ich nach rechts abbiegen soll (hupen, einfach fahren und darauf vertrauen dass die Anderen halten, wie ich inzwischen weiß). Etwas gestresst aber guter Dinge haben wir dann im Copenhagen Chrissi und Miri getroffen, zwei Freunde die wir auf der Nomadweek in Portugal kennen gelernt hatten. Da die beiden schon länger in Canggu remote ihren Blog aufbauen konnten wir auch einiges an Tips und Do's und Don'ts abgrasen. Das Frühstück und der Kaffee waren schonmal eine Offenbarung und unsere erster Vorgeschmack auf das große Schlemmen in Bali. Nachdem wir uns fast drei Stunden im Kaffee verquatscht hatten mussten die Beiden dann noch etwas arbeiten und wir sind (nach dem Mittagessen) an den Strand gedüst. Kurz entschlossen bin ich dann nochmal mit Surfboard ins Wasser gesprungen und hab dann schnell gemerkt wieso man auf Bali erstmal mit Lehrer ins Wasser sollte. Bei Ebbe oder abfließendem Wasser liegt das Riff quasi zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Hab ich mit meinem großen Zeh entdeckt. Zufrieden sind wir dann erstmal zurück ins AirBnB und von da aus zu Fuß zum Warung (Restaurant) um die Ecke gelaufen. Besonders in Canggu sollte man es trotzdem eher lassen zu Fuß zu laufen, da hier recht viele Hunde rumlaufen und es quasi kaum wirkliche Bürgersteige gibt.

Schlemmen

Auf wärmste Empfehlung von den Mädels sind wir tags darauf ins Crate zum Frühstück gegangen und hatten die letzten 3 Monate noch nie so gutes Essen. Das recht hippe Café könnte auch in Kreuzberg stehen, abgesehen davon dass alles offen ist weil es in Bali schlicht nie wirklich kalt wird. Mit Smoothies haben wir (oder eher ich) der Wärme getrotzt und konnten uns Stück für Stück anfangen zu akklimatisieren. Mit knappen 28° ist Bali im Schnitt auch nicht wirklich warm, die Luftfeuchtigkeit setzt einen anfangs trotzdem Schachmatt.

Tana Lot

Da wir nichts Besseres zu tun hatten sind wir dann spontan richtung Westen aus Canggu heraus gefahren und eher per Zufall am Tana Lot gelandet, einem der bekanntesten Tempeln auf Bali. Zwar war das ganze ein ziemliches Tourilioch, bevor man in die Tempelanlage kommt muss man noch durch einen riesigen Flohmarkt mit allem Möglichen Krimskrams, aber der Tempel an sich war ein schöner erster Eindruck von der kulturellen Seite Balis. Die Anlage liegt direkt am Meer und ein Teil des Tempels kann nur bei Ebbe betreten werden, während es bei Flut ein Spektakel an Wellen zu sehen gibt. Trotzdem haben wir unterschätzt dass 28° sich nicht unbedingt nach 28° anfühlen wenn man mitten in der Sonne rumläuft und zu wenig trinkt, also sind wir schnell zurück nach Canggu um hier Mittag und die nächsten Smoothies in uns reinzuschaufeln. Wie man das nunmal in Asien so macht gabs danach auch direkt unsere erste Massage und nochmal eine Stunde Pause zurück in der Unterkunft.

Stars und platte Reifen

Abends haben uns die Mädels zu einem Filmabend bei einer Freundin eingeladen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Also wieder auf den Roller geschwungen und zurück in die City um die der wunderschönen Villa/Haus von Ruth A Star is Born und balinesisch traditionell Pizza zu essen. Ein wirklich schöner Abend ist dann eher unschön geendet als wir die erste Erfahrung mit den balinesischen Straßen in Form eines platten gemacht haben. Ungünstig wenn man um halb elf nachts im dunkeln an der Straße und ohne Handykarte steht und nicht genau weiß was man jetzt tun soll (abgesehen vom latenten Jetlag und allgemeiner Asienüberforderung). Auf Zureden von Nina haben wir dann die einzig richtige Entscheidung getroffen und uns ein Taxi genommen, um hier natürlich klassischerweise abgezogen zu werden. Die umgerechnet 5€ für 5 Minuten Fahrt waren eher Hamburger Verhältnisse. Ein langer Tag ging dann in unserem ruhigen Zimmer am Stadtrand zu Ende und wir konnten erstmal schlafen.

"Ach, das passiert ständig"

Gottseidank hatten wir extra ein AirBnB gemietet um für solche Eventualitäten jemanden zu haben der uns vor Ort helfen kann. Nur blöd dass unser Gastgeber gerade selbst in Europa die Familie besuchen war, hieß also dass er uns über Whatsapp eine Werkstatt geschickt hat wo wir den Rollen hinschieben können. Die Aussage dass das normal ist und ihm in Canggu teils drei mal am Tag passiert hat auch nicht wirklich geholfen. Netterweise konnten wir dafür einen Zweitroller umsonst ausleihen um die in Stadt zu kommen. Während Nina beim Yoga war hab ich mich dann als guter Freund um den Roller gekümmert, die 5 Minuten zur Werkstatt geschoben und nach zehn Minuten für knappe 2 Euro wieder einen funktionstüchtigen Reifen gehabt. Fazit wie so oft auf der Reise, war dann im Endeffekt doch recht einfach, stresst aber erst einmal wenn man keine Ahnung hat wie hier der Hase läuft. Da Chrissi und Miri schon am nächsten Tag wieder zurück nach Deutschland geflogen sind, war es natürlich ein muss die beiden noch auf ein (wieder bombastisches) Frühstück zu treffen. Danach gings dann wieder Nina aufgabeln und nach einem zweiten Frühstück erstmal mit kleineren Schwierigkeiten zurück ins AirBnB. Zurück in der Unterkunft waren wir uns auch einig lieber zu Zweit auf einem Roller zu fahren als uns den Stress zu geben getrennt auf zwei Rollern zu sitzen.