Agnes Water ist ein kleines Nest am Südzipfel des Great Barrier Reefs und auch der letzte Ort zum Surfen an der Westküste, bevor Riffe und Krokodile das Ganze unmöglich machen. Der Campingplatz war, wie wir am nächsten morgen dann gesehen haben, wirklich schön im Wald gelegen und auch sehr preiswert (gab auch nur ein Plumpsklo und kalte Duschen).

Pi mal Daumen

Auf Tip des Rangers der das Geld eingesammelt hat sind wir dann auch direkt nach dem Frühstück auf Erkundungstour gegangen und wollten einen Strand weiter zum Chinamans Beach. Unterwegs haben wir dann schnell gemerkt dass wir noch sehr von Neuseeland verwöhnt waren, wo wirklich alle Wege ausgeschildert sind. Statt den 20 Minuten zum Strand haben wir dann insgesamt 2 Stunden damit verbracht über Stock und Stein zu klettern und letztendlich den gleichen Weg wieder zurück zu laufen den wir gekommen sind. Den Strand haben wir aber trotzdem irgendwie erreicht, sind dann aber doch an dem Walkmans Beach direkt am Campingplatz geblieben um hier noch etwas schwimmen zu gehen.

 

Kuscheltiere

Per Zufall hatten wir gesehen dass es etwas außerhalb vom Ort auch eine Kangaroo Sanctuary gibt, also eine Art Zuflucht für verletzte Kängurus wo man auch campen kann. Hatten wir hier ein kleines Feld erwartet, wurden wir positiv überrascht. Der Campingplatz ist winzig klein und gemütlich direkt neben das Haus vom Besitzer gebaut und man hat von dem Hügel einen Blick aug ganz Agnes Water und das Meer. Kaum steigt man aus dem Van wird man auch schon von ca 20 Kängurus begrüßt die hier überall herumhüpfen. Der Besitzer ist ein älterer Herr der es irgendwann leid war Trucks zu verkaufen und seinen Lebensabend damit verbringt Kängurus zu retten und sich allgemein für Tier- und Naturschutz in Australien einsetzt. Die Sanctuary an sich ist über die letzten 15 Jahren in Handarbeit entstanden und das Areal ist nicht umzäunt, was bedeutet dass die Tierchen jederzeit weiterziehen können. Mit der riesigen Grasfläche, einem kleinen, natürlichen Wald und dem Ziehpapa der hier eine Ruheoase geschaffen hat wollen die Tiere aber anscheinend garnicht weg. Ein Nebeneffekt der Aufzucht durch Menschen ist die extreme Zutraulichkeit, die Kängurus springen einem wortwörtlich entgegen und stupsen so lange bis sie gestreichelt werden. Nina im Paradies. Alles an Spenden und Geld fließt in den Ausbau der Sanctuary und die Aufzucht der verletzten Tiere, die meist aus den Beuteln der angefahrenen Müttern am Straßenrand Australiens gerettet wurden.

Raubtierfütterung

Gegen späten Nachmittag wird dann eine Fütterung veranstaltet, bei der der Besitzer (Gary) über die Tiere erzählt und die teils erschreckende Animosität der Australier gegenüber dem inoffiziellen Wahrzeichen des Landes. Ein Känguru aufzuziehen kostet im Schnitt 2000 Australische Dollar, die täglichen (artgerechten) Fütterungen in der Gruppe stellen sicher dass die Geldmittel dafür bestehen bleiben. Mein persönliches Highlight war der frei fliegende Papagei, der sich auch prompt auf meiner Schulter ausgeruht hat. Nachdem wir abends noch den Sonnenuntergang über dem Tal geschaut hatten sind wir dann auch zufrieden ins Bett gefallen.